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Wandern in Norwegen

Da wird sich doch der Eine oder Andere denken, ob dieses Thema ein Blogeintrag wert ist. Wir Schweizer sind doch echte Wanderprofis. Nach 4 Wochen Wanderurlauberfahrung ist es meiner Meinung nach doch angebracht ein paar Worte zu verlieren:

Im Gegensatz zur Schweiz sind die Wege eigentlich nie oder selten Befestigt. Der Untergrund variiert von trockenem Torfboden, Schneefeldern, Gletscher über geschliffenen Fels, Geröll, Steilstufen, hüfthohen Farnen und Büschen, zu wasserdurchtränkten Moos- und Torfflächen und Sumpf. Und meist alles zusammen auf einer Wanderung. Es kann also gut sein, dass man eben noch auf einem meist schmalen Weg durch saftige Mooswiesen geht, um sich dann für die nächsten 10 Minuten über mannshohe Felsbrocken ohne ersichtlichen Weg zu kämpfen und danach eine halbe Stunde durch dichten Birkenwald mir Matschboden windet. Ein Schweizer Gebiet, welches zumindest in den felsigen Passagen an Nordnorwegen erinnert, sind das Säntisgebiet oder das Grimselgebiet.

Bei zwei von unseren Wanderungen gingen wir einfach diretissima den Berg rauf, da der Weg schon nach 500m nicht mehr auffindbar war und auch später wohl maximal zu circa 10% ersichtlich war. Eigentlich ist querfeldein Wandern kein grosses Problem wenn man sich das von der Orientierung her zutraut. Der Boden ist an vielen Stellen angenehm weich und es hat keine Dornengebüsche. Es kann höchstens passieren dass eine Felsenstufe, Felswand oder ein Moor den Weg versperrt und man diese umgehen muss. Es kann gut sein, dass man unterwegs den Elchen ziemlich nahe kommt und sich einer nur gerade ein paar Meter entfernt im hohen Gebüsch oder Birkenwald versteckt.

Auch sonst haben wir auf den Wanderung viele Tiere gesehen. Schneehühner mit 6 Jungen, Rentiergruppen, Füchse, viele Vögel (auch Adler), Frösche und Marder.

Die Wanderungen die wir unternommen haben, hatten meist alle T4 und T5 Charakter und seltene T6 Elemente. Die nervenaufreibensten Abschnitte sind solche, die an einem Fjord entlang führen. Da fühlt man sich wie im feuchtigkeitsübersättigten Regenwald und braucht öfters die Hände um sich an Felsen oder Bäumen hoch und weiter zu ziehen. Da kann es schon einmal vorkommen, dass man für einen 3 Kilometerabschnitt der vom Schiff aus horizontal verläuft 1,5h braucht und praktisch jeden Schritt planen muss damit man nicht ausgleitet oder in den Matsch tritt. Der Weg ist dann öfters ein Auf und Ab mit Höhenunterschieden bis zu 8m. Ab ca. 500m über Meer tritt man in die hochalpine Zone ein und ab 700 Meter ist man meist im Geröll und Fels unterwegs. Fast alle Routen sind mit Steinmännchen gekennzeichnet. Weil man fast immer einen Berg besteigt, sind die letzten Abschnitte meist die steilsten. Geröllhalden sind selten ausgeschildert, da muss man sicher selber einen Weg suchen oder den Spuren der Vorgänger nachsteigen.

Ich empfehle jedem absolut wasserdichte Schuhe damit man wenigstens die Matschpassagen und Bachüberquerungen leicht hinter sich bringen kann. Somit hat man einen Grossteil der Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt. Wir waren in den Sommermonaten unterwegs und somit bietet es sich an erst spät aufzubrechen um die schönen Stimmungen die sich zwischen 11:00 und 01:00 zeigen mit zu erleben. Das es nie dunkel wird ist das Tragen einer Stirnlampe eigentlich nicht notwendig. Wasser findet man fast überall irgendwo auf dem Weg und wenn man nicht gerade in einem Schafsweidegebiet unterwegs ist auch ohne Probleme trinkbar.

Alles in allem ist Nordnorwegen ein herausforderndes Wandergebiet, das aber extrem abwechslungsreich ist und Spass macht, wenn man breitgetretene Pfade langweilig findet.         Ich wünsche euch viel Spass bei eurer nächsten Wandertour im hohen Norden! Weitere Fragen beantworte ich euch gerne!

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